INFOS & BERICHTE - Landkreis Göppingen

ÜBERBLICK

zur Situation von Flüchtlingen im Landkreis Göppingen

Zuständige Behörde: Landratsamt Göppingen

Lokale Initiative/n: Freundeskreis Asyl Göppingen

Unterkünfte: 

GU Kanalstraße, Kanalstraße 4, 73033 Göppingen

GU Pappelallee, Pappelallee 11, 73037 Göppingen

GU Kanalstraße

Typ: C - Baracke

Lage: Stadtmitte, Nähe Bahnhof

Kapazität: 54

Essensversorgung: Gutscheinsystem

Sozialbetreuung: Diakonisches Werk Göppingen (Beratungsstelle Zebra)

In der Unterkunft tätige lokale Initiative/n: Freundeskreis Asyl Göppingen

Sonstiges: 


GU Pappelallee

Typ: C - Baracke

Lage: Mischgebiet am Innenstadtrand, ca. 1 km zur Stadtmitte

Kapazität: 98

Essensversorgung: Gutscheinsystem

Sozialbetreuung: Landratsamt Göppingen

In der Unterkunft tätige lokale Initiative/n: Freundeskreis Asyl Göppingen

Sonstiges: 

19. Oktober 2011

Fachgespräch zur Situation der Flüchtlinge im Landkreis Göppingen

Ehrenamtliche vom Freundeskreis Asyl und Flüchtlinge diskutierten bei dieser Veranstaltung mit Vertreter/-innen von Behörden, Parteien und des Flüchtlingsrats über die Lebensbedingungen der Flüchtlinge im Landkreis Göppingen. Die zentralen Anliegen der Göppinger Asyl-Unterstützer waren/sind:
-          Umstellung der Handhabung der halbjährlichen Kleiderausgabe auf Gutscheinsystem mit Einkaufsmöglichkeit (wie bei Lebensmitteln)
-          Unterbringung: (rechtlich: 4,5 qm durchschn. pP) – n. M. Unterbringung nach kultur-/religionsspezifischen Gesichtspunkten

-          Entschärfung der Unterbringungsituation („Pferch“) und weniger soz. Stress für Insassen: Landkreis benötigt dringend zusätzliche Unterbringungsplätze (übervolle Unterkünfte - zz. 190 Pers. bei 179 Plätzen Kapazität, mehr als 30 Landkreis-Zuweisungen stehen aus)

-          Anhebung des LRA-Stellenschlüssels zur Betreuung der Asylsuchenden durch soziale Fachkräfte (bisher: 1:120 bei insges. 136% Stellendeputat, auf lediglich zwei Personen verteilt)

-          Ehrenamtl. Begleitung – weitere Interessierte für den Freundeskreis sind willkommen, bspw. für ein Sportangebot für Männer und Spielgruppe für Kinder

 Landesweit/politisch:

 -          Schnelle Abschaffung der Residenzpflicht (landesweit), wie im Koalitionsvertrag BW angekündigt

-          Anhebung der Hilfe zum Lebensunterhalt für Asylbewerber und Geduldete auf SGB2-Niveau (bislang 30% darunter, seit 1993 unverändert)

-          Abschaffung des Arbeitsverbotes für Asylbewerber (dürfen die ersten 12 Monate nicht arbeiten, danach nachrangig = de-fakto-Verbot)

-          Sprachförderung (Zugang zum Integrationskurssystem für Zuwanderer) - Sprachförderung ist während der ersten 12 Monaten sinnvoll

 Landesweit/Gesellschaftlich:

 -          Sichtweise auf Flüchtlinge verändern: Frage nach der Würde des Menschen (Sprache, Arbeit, Sinn) – keiner kommt ohne Grund

-          Willkommenskultur fördern gemäß christl. Verständnis: „Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. (…)“ - 3. Mose 19, 3

Göppingen und einem Vertreter des Flüchtlingsrates: Freundeskreis Asyl Göppingen. Mit Vertreter/innen von Initiativen, Kirchen und Vera Kohlmeyer-Kaiser für den Flüchtlingsrat BW

26.03.10 

Besuch in den Göppinger Unterkünften...

Licht und Schatten bei der Flüchtlingsunterbringung

Die Göppinger "Gemeinschaftsunterkünfte" waren die ersten, die der Flüchtlingsrat im Jahr 2010 im Rahmen seines EFF-Projekts VIA besuchte. Nach einem ausführlichen Gespräch mit der Heimleiterin sowie Frau Maichl und Frau Beiermeister vom Freundeskreis Asyl wurde die Unterbringungssituation in der GU Pappelallee ausgiebig untersucht. Dabei ergaben sich viele Gespräche mit anwesenden Flüchtlingen. Diese klagten vor allem über die räumliche Enge, die dicht belegten Zimmer, den Lärm bei Tag und Nacht, die Kontrollen durch die Polizei und das lange Warten im Asylverfahren.

Die GU Pappelallee ist ein barackenähnliches Sammellager, das kaum wohnliche Eigenschaften hat, allerdings durch die Heimleitung und den Hausmeister so gut wie möglich in Ordnung gehalten wird. Die Stimmung zwischen den Flüchtlingen und der Heimleitung sowie die Zusammenarbeit mit dem lokalen Asyl-Freundeskreis ist vergleichsweise gut. Es gibt einen Frauen- und Familientrakt und ein paar wenige Personen haben ein Einzelzimmer, weil sie schon sehr lange in der GU wohnen müssen oder weil sie krank sind. Die Küchen und Sanitärräume sind durchschnittlich unangenhm und dreckig, bei den Frauen ist es vergleichsweise sauber.

Positiv in Göppingen ist, dass einige Flüchtlinge, vermittelt über den Freundeskreis Asyl und finanziert durch Privatpersonen, die Möglichkeit erhalten, an Deutschkursen in der Volkshochschule teilzunehmen. Das Diakonische Werk und der Asyl-Freundeskreis bieten ein interkulturelles Theaterprojekt, bei dem viele Flüchtlinge mitmachen. Auch die Landratsamts-Mitarbeiterinnen bieten kleinere Projekte zur interkulturellen Erziehung.  Das DW betreibt auch eine Migrationsberatungsstelle (Zebra = Zentrale Beratungsstelle für Zugewanderte) und einen Jugendmigrationsdienst, dessen Büro in der GU Kanalstraße angesiedelt ist. Die Angebote sind auch auf Flüchtlinge ausgerichtet.

Die in Bahnhofsnähe gelegene Unterkunft in der Kanalstraße macht einen relativ schäbigen Eindruck. Die letzte Renovierung scheint Jahrzehnte zurück zu liegen. Hier werden primär alleinstehende Männer in Mehrbettzimmern untergebracht.


Männerküche in der GU Kanalstraße